Der alte Baum ist der wertvollste
Höhlen, Risse, Totholz, Pilzkonsolen, abgeplatzte Rinde: Was aus Sicht der Verkehrssicherheit ein Mangel ist, ist aus Sicht von Fledermaus, Specht, Hornisse und Totholzkäfer ein Zuhause. Gute Baumpflege wägt ab – und findet meistens einen Weg, den Baum zu erhalten.
- Habitatbaum-Management
- Erhalt alter Bäume mit Höhlen und Totholz durch Kronensicherungsschnitt oder Absperrung statt Fällung. Markierung und Dokumentation von Habitatbäumen in Beständen.

- Totholzkonzepte
- Stehendes Totholz (Hochstubben) und liegendes Totholz gezielt belassen – dort, wo es niemanden gefährdet. Aus einem Fällauftrag wird so ein Biotop.
- Artenschutz bei Baumarbeiten
- Prüfung auf Nester, Höhlen und Fledermausquartiere vor jedem Eingriff. Einhaltung der Schonzeiten und der gesetzlichen Vorgaben des Luxemburger Naturschutzgesetzes.
- Benjeshecken aus Schnittgut
- Aus Ästen und Reisig entsteht am Grundstücksrand eine geschichtete Hecke: zwischen Pfählen sauber gestapelt, ordentlich anzusehen – und Unterschlupf für Vögel, Igel und Insekten. So wird das Schnittgut zur Lösung statt zum Abfallproblem: kein Abtransport, kein Container, dafür neuer Lebensraum.
Aufbau zwischen Pfählen
Sauber geschichtet
Fertig – und bewohnt - Nisthilfen und Quartiere
- Anbringen von Nistkästen für Vögel, Fledermauskästen und Insektenquartieren – fachgerecht per Seilklettertechnik in der richtigen Höhe und Ausrichtung.
- Wildblumenstreifen und Säume
- Einsaat von regionalem Saatgut an Bongerten, Wegrändern und Gartenrändern – Nahrung für Wildbienen und Schmetterlinge, Deckung für Insekten und Kleintiere.



- Naturnahe Pflanzung
- Standortgerechte, heimische Gehölze und alte Obstsorten, gepflanzt mit Blick auf die nächsten Generationen, nicht auf die nächste Saison.
Alte Luxemburger Sorten retten – und in den Garten zurückholen
Luxemburg war einmal Obstland. Im Buch „Luxemburgs Birnen und Äpfel" ist nachzulesen, dass das Land zeitweise rund 100.000 Tonnen Obst im Jahr exportierte – vor allem Mostbirnen und Äpfel aus den Bongerten. Heute ist das, was Luxemburg selbst an Obst produziert, nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Unser Obst kommt aus Plantagen, die so groß geworden sind, dass sie sich ohne Pflanzenschutzmittel aller Art nicht mehr bewirtschaften lassen. Es geht nicht darum, diese Märkte zu verteufeln – sondern sie zu entlasten. Jeder Baum im eigenen Garten nimmt dort ein wenig Druck heraus und gibt den Großen die Chance, selbst wieder einen Schritt zurück zum Ökologischen zu machen. Es ist dasselbe Prinzip wie beim Kronensicherungsschnitt an der alten Walnuss: Erst wenn die Last raus ist, kann sich ein System erholen. Dabei stehen die alten Sorten noch: in überalterten Streuobstwiesen, auf abgängigen Hochstämmen, oft nur noch in einem einzigen Baum.
Wenn ich bei einer Baumkontrolle auf so einen Baum stoße, muss das nicht das Ende der Sorte sein. Im Winter schneide ich Edelreiser und veredle sie – auf starke Unterlagen für den nächsten Bongert, oder auf schwach wachsende Unterlagen für den Hausgarten. So wird aus dem Hochstamm, den kaum noch jemand pflegen kann, ein kleiner Baum von 1,80 bis 2 Metern, der auf drei mal drei Metern Platz hat, vom Boden aus zu ernten und zu pflegen ist und trotzdem dieselbe Frucht trägt, die hier seit hundert Jahren wächst – robust, an unser Klima gewöhnt, und im eigenen Garten ganz ohne Spritzmittel zu haben. Nicht jede alte Sorte verhält sich auf kleiner Unterlage gleich – welche Unterlage und welche Erziehung zu welcher Sorte und welchem Standort passt, gehört zur Planung dazu.


Zukünftige Baumpflanzprojekte
Die nächsten Bäume wachsen schon: In Anzuchtplatten und Töpfen keimt der eigene Nachwuchs – von der Kiefer bis zum Obstbaum, handbeschriftet, pikiert, umgetopft. Sie sind der Grundstock für kommende Pflanzprojekte, allen voran einen Food Forest (Waldgarten) in Luxemburg: ein mehrschichtiges, essbares Ökosystem aus Bäumen, Sträuchern und Stauden, angelegt auf größtmögliche Vielfalt an Sorten und Arten. Zugleich ist der Food Forest ein Freilandversuch zur Frage, die sich jeder Baumbesitzer inzwischen stellt: Welche Arten sind unserem heutigen Klima mit seinen langen Trockenperioden wirklich gewachsen? Was sich dort bewährt, fließt direkt in meine Pflanzempfehlungen ein. Das Projekt ist in Vorbereitung – wer eine Fläche hat, Saatgut oder Lust mitzumachen, darf sich gerne melden.