So wenig wie möglich, so viel wie nötig
Baumpflege nach ZTV-Baumpflege heißt: Jeder Schnitt hat einen Grund, und der Baum kann ihn verkraften. Keine Stummel, keine Kappungen ohne Plan, keine Kronen, die nach dem Schnitt wie ausgefegt aussehen. Ich arbeite in der Krone mit Seilklettertechnik – dort, wo der Baum es braucht und wo eine Bühne nicht hinkommt.
- Kronenpflege
- Entfernen toter, absterbender, gebrochener und sich reibender Äste und Vorbeugung gegen Fehlentwicklungen – überwiegend im Fein- und Schwachastbereich. Die Standardmaßnahme für Hausbäume, Alleen und Parkbäume: Sie erhält die Verkehrssicherheit, ohne die Krone zu verändern.
Vorher
Am Seil in der Krone
Ast für Ast
Nachher - Totholzentfernung
- Entnahme toter Äste ab der verkehrssicherheitsrelevanten Stärke – als eigene Maßnahme, wenn sonst nichts am Baum zu tun ist.

- Kroneneinkürzung
- Reduktion der Krone durch Ableiten auf einen Zug- oder Versorgungsast, der die Funktion des eingekürzten Astes übernimmt. So bleibt der Habitus erhalten und die Reiteratbildung an der Schnittstelle gering. Angezeigt bei Bäumen, die zu groß für den Standort geworden sind, nach Freistellung oder aus statischen Gründen.
- Lichtraumprofilschnitt
- Freischneiden von Straßen, Wegen, Gebäuden und Leitungen auf das vorgeschriebene Lichtraumprofil – für Gemeinden, Hausbesitzer und Betriebe.
- Kronensicherungsschnitt
- Starke Einkürzung der Krone eines schwer geschädigten Baumes – bei fortgeschrittenem Holzabbau und geringer Restwandstärke – zur Herstellung der Verkehrssicherheit oder aus Gründen des Artenschutzes, ohne Rücksicht auf den Habitus. Die Alternative zur Fällung, wenn der Baum als Standort oder Habitat bleiben soll. Der Gedanke dahinter: Gewicht und Hebel kommen raus, der Baum kommt zur Ruhe, und die Restwand kann sich durch Kompensationswachstum wieder aufbauen, statt Jahr für Jahr weiter auszubrechen. Das funktioniert nur bei Arten, die stark reiterieren und schnell überwallen – Walnuss, Linde, Weide, Platane –, nicht bei Birke oder Buche, und nur bei alten Bäumen mit genügend Reserven. Immer mit Pflegeplan: Nachbehandlung der Reiterate nach 3, 5 und 7 Jahren. Praxisbeispiel: Zwei Walnüsse →
- Kronenregenerationsschnitt
- Nachbehandlung gekappter oder stark geschädigter Bäume – auch und gerade, wenn andere sie vor Jahren gekappt und dann sich selbst überlassen haben. Nach einem Kronenverlust treibt der Baum traumatische Reiterate; an Kappstellen werden daraus Ständer mit schlechter Anbindung. Diese werden vereinzelt, auf zwei bis drei Leittriebe oder ein Drittel der Schosse zurückgenommen, bis eine neue, statisch tragfähige Sekundärkrone steht. Richtig gemacht, überwallen die alten Kappstellen dabei vollständig.
Die Sekundärkrone trägt wieder – voll belaubt, mitten in der Pflege
Blick nach oben: die alten Schnittstellen sind überwallt
Nach dem Pflegegang: kompakt, tragfähig, gesund
Der Beweis im Detail: Die alte Wunde ist vollständig geschlossen - Kronensicherung
- Stabilisieren der Krone durch Verbinden von Ästen oder Kronenteilen mit Seilen, Gurten und Ruckdämpfern – bei V-Zwieseln mit eingewachsener Rinde oder langen, bruchgefährdeten Starkästen. Die Alternative zum Schnitt, wenn die Krone erhalten bleiben soll.
- Jungbaumpflege (Erziehungs- und Aufbauschnitt)
- In den ersten rund 15 Jahren nach der Pflanzung: Aufbau einer stabilen Krone, Entfernen von Konkurrenztrieben, Herstellen des lichten Raumes über Wegen und Straßen durch schrittweises Entfernen der temporären Krone. Der günstigste Schnitt im ganzen Baumleben – wer hier spart, zahlt später mit Grob- und Starkastwunden.
Die 30-Prozent-Regel. Mehr als rund 30 Prozent seiner Krone sollte ein Baum bei einem Eingriff nicht verlieren – darüber lebt er von der Reserve statt vom Laub. Soll ein Baum deutlich kleiner werden, plane ich das deshalb über zwei bis drei Jahre: zum Beispiel erst die Höhe zurücknehmen und im Folgejahr die Seiten einkürzen – oder umgekehrt. Der Baum verkraftet jeden Schritt, baut zwischen den Etappen neues Laub auf, und das Ergebnis hält länger als jeder Radikalschnitt.
Kappung ist keine Baumpflege. Die FLL definiert Kappung als „umfangreiches, baumzerstörendes Absetzen der Krone ohne Schneiden auf Zug-/Versorgungsast" – keine fachgerechte Maßnahme, nicht Stand der Technik. Wer einen Baum so zurückschneidet, bekommt keinen kleineren, sichereren Baum, sondern einen, der mit Dutzenden Reiteraten antwortet: in wenigen Jahren mehr Laub, mehr Totholz, mehr Bruchgefahr, faulende Wunden. Die Frage ist deshalb nie nur „wann", sondern „wohin soll der Baum". Mehr auf der Seite Schnittzeitpunkte. Davon zu unterscheiden ist der Kopfbaumschnitt an Weiden und Linden, die von Anfang an so erzogen wurden – der ist fachgerecht.
Eine als Kopfbaum erzogene Platane: Sie muss alle paar Jahre zurückgesetzt werden – und genau diese Dauerpflege handelt man sich bei einem frei gewachsenen Baum mit jeder Kappung ein.
Eine als Kopfbaum erzogene Platane: Sie muss alle paar Jahre zurückgesetzt werden – und genau diese Dauerpflege handelt man sich bei einem frei gewachsenen Baum mit jeder Kappung ein.Erst kontrollieren, dann schneiden. Vor jedem größeren Eingriff schaue ich mir den Baum als Baumkontrolleur an: Pilze, Höhlungen, Rindenschäden, Habitatstrukturen. Was ich finde, steht im Angebot – und wenn ein Baum nicht geschnitten werden sollte, sage ich das auch.